Samstag, 20. März 2010

Rundbrief

Rundbrief Nr.2: 20. Maerz 2010

Jetzt bin ich schon ein halbes Jahr in Sambia und es ist an der Zeit fuer eine zweite Rueckmeldung. In den letzten 6 Monaten ist viel passiert, ich habe viel erlebt und hatte Hoehen und Tiefen.
In meinem ersten Brief habe ich meine ersten Eindruecke beschrieben, jetzt ist so, dass ich die erste Haelfte meines Freiwilligendienstes reflektiere.
Die meiste Zeit habe ich in Mporokoso verbracht und dort in der Blindenschule gearbeitet, obwohl ich die Arbeit wirklich mag, war ich dadurch nie wirklich ausgelastet, da ich nur 8 Stunden in der Woche unterrichtet habe. Ich mag meine Klasse sehr und glaube auch, dass meine andere Unterrichtsart den Schuelern etwas bringt und sehe dass sie nun viel offener sind und auch mal ihre Meinung sagen. Zuerst war es gar nicht so einfach zu unterrichten, da die Schueler nur eine Art des Unterrichts kennen, den Vortrag.
Ich habe versucht den Stoff durch andere Unterrichtsweisen aufzulockern, doch es hat eine Weile gedauert bis die Schueler das verstanden haben, doch jetzt arbeiten wir gut miteinander. Ich habe sogar angefangen einen Computerkurs zugeben, was sich aber dadurch das ich an einer Blindenschule arbeite, schwierig gestaltet, doch den Schuelern macht es sehr viel Spass. Viele von ihnen haben nie zuvor einen Computer gesehen, was verstaendlich ist, wenn man bedenkt, dass die Kinder aus Siedlungen im Busch, ohne fliessend Wasser und Strom kommen.
Ich habe mich schon sehr an das Leben hier gewoehnt, ob es der allabendliche Stromausfall, das nicht vorhandene fliessende Wasser oder die nach Regen nicht mehr begehbaren Strassen sind, all das gehoert fuer mich schon zum Alltag! Auch beim mit den Fingern Nshima essen, bin ich schon zum Experten geworden.
Ich habe aber nicht meine ganze Zeit im Konvent verbracht. Weihnachten war ich bei einer deutschen Missionarsfamilie in Kasama, so dass ich obwohl ich sehr weit von zuhause weg bin, ein deutsches Weihnachten verbringen konnte, mit allem was dazugehoert, von Weihnachtsplaetzchen, bis zum Plastiktannenbaum mit echten Kerzen!
Silvester war ich dann mit anderen Freiwilligen in Livingstone, der beruehmteste Ort in ganz Sambia, was hauptsaechlich an den Victoria Faellen liegt, die wirklich atemberaubend sind. Dort haben wir einen schoenen aber sehr touristischen Urlaub verbracht, was uns manchmal schon komisch vorkam, denn wenn man einige Zeit in diesem Land verbracht hat, faellt einem sehr deutlich der Unterschied zwischen Livingstone und dem Rest des Landes auf, was hauptsaechlich auf die Touristen zurueckzufuehren ist, die auf den gewohnten Luxus auch im Afrikaurlaub nicht verzichten wollen.
Aber mir ist auch bei meinem Besuch bei anderen Freiwilligen, im Sueden des Landes aufgefallen, dass es grosse Unterschiede zwischen dem Norden und dem Sueden gibt. Der Sueden ist besser entwickelt, mit einer guten Infrastruktur und besserer Bildung, fast alle Menschen dort sprechen Englisch und gehen zur Schule, was im Tiefen Norden immernoch etwas besonderes ist. Auch das Leben der Freiwilligen dort ist ganz anders als meins. Sie haben viele Freunde und Bekannte was warscheinlich dadurch kommt, dass es keine Sprachbarriere gibt und weil sie dort in Gastfamilien leben denn mein Leben im Kloster schreckt viele Menschen ab, da sie denken ich sei eine Nonne, doch ich kaempfe weiter gegen die Geruechte.
Sprachlich ist leider in den letzten 6 Monaten nicht viel passiert, Braille, die Blindenschrift habe ich innerhalb weniger Monate gelernt aber mit dem Bemba lernen komme ich einfach nicht voran. Ich kann zwar die Begruessungen, aber ich bin immernoch auf der Suche nach einem Lehrer, doch das ist sehr schwierig wegen den fehlenden Englischkenntnissen der Leute und wenn sich jemand dazubereit erklaert mich zu unterrichten, meldet sich der Betreffende nie wieder oder hat zu viel zu tun.
Die Kommunikation in Sambia ist anders als in Deutschland, denn es gibt keine direkte Kommunikation, dadurch gibt es auch weniger Streit, was ja nicht schlecht ist, aber das ist ein grosses Problem, wenn es wirkliche Konflikte gibt, die sich nicht von selber loesen, alles staut sich auf, bis es auf einmal rauskommt. Das habe ich auch schon erlebt und war fuer mich etwas unverstaendlich denn auf einmal wurde mir etwas vorgeworfen, was ich in meiner ersten Woche in Afrika gemacht habe und woran ich mich gar nicht mehr erinnern kann. Im Gegensatz dazu koennen die Menschen hier nicht mit meiner direkten Kritik umgehen, sie sind dann sehr verletzt und ignorieren sie total.
Je laenger ich in Mporokoso war desto mehr Konflikte gab es hauptsaechlich dadurch dass ich mich dazuentschieden habe, nicht mehr jeden Morgen in die Kirche zu gehen, sondern nur noch vier Mal die Woche und weil meine Mentorin nach Lusaka gegangen ist. Niemand fuehlte sich mehr fuer mich verantwortlich. Zu Beginn des Jahres hatte ich weder Arbeit noch einen Ansprechpartner.
Ich bin dann aber auch bald nach Tansania, zu meinem Zwischenseminar gereist. Das war eine schoene Zeit, die mir viel gebracht hat durch die Reflexion und viele Gespraeche, so dass ich mich fuer einen Proektwechsel entschieden habe. Ich weiss leider noch nicht wann dieser stattfinden wird, denn das Weltwaerts Programm erfordert einige Formalitaeten, bevor ein Wechsel vollzogen werden kann, aber ich denke dass es eine gute Entscheidung ist um meinen Freiwilligendienst positiv zu beenden.
Nach meinem Seminar habe ich noch Urlaub in Tansania gemacht, obwohl es ein Nachbarland von Sambia ist, ist es ganz anders. Zuerst einmal das Klima, es ist viel heisser und hat eine hoehere Luftfeuchtigkeit, dadurch hat es auch eine ganz andere Vegetation, viel tropischer! Auch das Meer hat fuer mich einen grossen Unterschied gemacht, ich habe die Zeit am Strand sehr genossen, da das in Sambia nicht moeglich ist. Die Menschen und die Sprache sind auch anders, anders als in Sambia gibt es in Tansania viele Muslime wodurch die Art der Menschen auch anders ist. Tansania ist viel besser entwickelt, es gibt fast nur gute Strassen, viele Hochhaeuser und Touristen.
Es war eine schoene Erfahrung auch mal ein anderes afrikanisches Land zu sehen. Ich habe an den Straenden auf Zansibar entspannt und geschnorchelt, habe im Mikumi Nationalpark viele wilde Tiere gesehen, Elefanten, Giraffen Zebras und sogar Loewen und habe in Moshi den Kilimanjaro bewundert, zwar leider nur von unten, es war aber trotzdem ein Erlebnis.
Jetzt bin ich erst wieder in Mporokoso, ich weiss nicht fuer wie lange, aber in dieser Zeit werde ich mich noch einmal mit den Gegebenheiten arrangieren und das Beste rausmachen!
Ich freue mich auf die 2. Haelfte und auf viele tolle Erlebnisse!


Sambische Gruesse
Anja Mueting

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